Charles Hamilton Houston: Mit dem Gesetz für gleiche Rechte

Charles Hamilton Houston war in mehrfacher Hinsicht eine Ausnahme unter den Afroamerikanern seiner Zeit. Geboren am 3. September 1895 in Washington, ermöglichten ihm seine Eltern den Zugang zu höheren Bildungseinrichtungen, die den meisten anderen Schwarzen zu dieser Zeit verwehrt blieben. Sein Vater, William LePre Houston, war als Rechtsanwalt tätig und vermittelte seinem Sohn früh Sinn und Notwendigkeit, die Gleichberechtigung der Rassen vor allem mit den Mitteln des Gesetzes durchzusetzen.

Beste Noten und schnelle Karriere

Bester seiner Klasse auf der High School, College-Abschluss mit “magna cum laude” – Charles Hamilton Houston war gerade 19 Jahre jung, als er seine erste Tätigkeit als Englischlehrer an der traditionell von Schwarzen besuchten Howard University aufnahm. Seine Karriere wurde jedoch unterbrochen, als er sich 1917 zum Armeeoffizier ausbilden ließ und während des Ersten Weltkrieges als Leutnant im Fronteinsatz diente. Während dieser Zeit erlebte er die tiefe Verachtung, die seine weißen Kameraden gegenüber schwarzen Offizieren hegten, und fühlte sich darin bekräftigt, es seinem Vater nachzumachen. Nach Kriegsende entschied sich Houston ebenfalls für die Juristerei und nahm sein Studium an der Harvard Law School auf – um dort unter anderem als erster Schwarzer Herausgeber des angesehenen “Harvard Law Review” zu werden.

Ausgedehnte Forschungsreisen durch die USA

Nach einem weiteren Studienaufenthalt an der Universität von Madrid begann Houston, kreuz und quer durch die USA zu reisen und die Arbeit schwarzer Rechtsanwälte – unter anderem unter Einsatz einer Filmkamera – zu beobachten. Damit wollte er eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen seiner Kollegen erreichen, die zwar formal den gleichen Gesetzen wie alle Anwälte unterworfen waren, in der Praxis aber vielfach in erheblichem Umfang benachteiligt wurden. Neben seiner Forschungsarbeit unterrichtete Houston bis zu seinem Tod Jura an der Howard Law School in Washington, der er von 1929 bis 1935 als Vizedekan vorstand.

Bedeutende Rechtsfälle begleitet

Als Kläger vor dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten von Amerika gelang Charles Hamilton Houston mehrfach die Durchsetzung gleicher Rechte für Afroamerikaner, die ihnen von anderen Gerichtsinstanzen nicht zugestanden worden waren. Dabei kämpfte er vor allem gegen die so genannten Jim-Crow-Gesetze, die von 1876 bis 1965 gültig waren und eine Rechtsgrundlage für die Trennung von Schwarzen und Weißen in öffentlichen Einrichtungen bildeten. Bald erwarb sich Houston mit seinen Erfolgen den Beinamen “Der Mann, der Jim Crow tötete”, ohne den entscheidenden Durchbruch selbst noch erleben zu können: 1954 entschied der Supreme Court im Fall “Brown gegen die Bildungskommission von Topeka”, dass der nach Rassen getrennte Schulunterricht gegen die Verfassung verstößt und daher im ganzen Land zu beenden sei. Der Vertreter des Antragstellers, Thurgood Marshall, war Student von Charles Hamilton Houston. Houston selbst starb am 22. April 1950 in Washington.